"Eine Insel mit zwei Bergen und dem tiefen weiten Meer..." - Lummerland und seine Bewohner sind zurück. Und dieses Mal nicht gepresst in Zeilen des Buches von Michael Ende, nicht als Puppen an Strippen wie in der berühmten Augsburger Puppenkiste, sondern als Realverfilmung, als Menschen aus Fleisch und Blut. Kinostart ist diesen Donnerstag. Wir waren vorab im Kino für Euch.

Vorgeschichte

Die Geschichte von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" prägte die Kindheit der heutigen Großeltern-Generation. 1960 veröffentlichte der deutsche Schriftsteller Michael Ende die berührende Geschichte von Lummerland. Kurz darauf fanden sich die Figuren als Puppen in der Augsburger Puppenkiste wieder - zunächst in schwarz-weiß, 1976/77 dann auch in Farbe. So wurden sie zur Legende. Doch für die Kinder- und Enkelgeneration verschwanden sie wieder von der Bildfläche. Für sie war, wenn überhaupt, Michael Endes "Die Unendliche Geschichte" ein Begriff, die 1979 erschien und Mitte der 80er-Jahre bzw. in den 90er-Jahren verfilmt wurden ist. Nur eingefleischte Ende-Fans oder Nostalgiker war Jim Knopf dann noch ein Begriff. Dem will Regisseur Dennis Gansel nun ein Ende bereiten und bringt die Abenteuergeschichte u.a. mit Henning Baum als Lukas ("Der letzte Bulle") und Kinoneuling Solomon Gordon als Jim Knopf (Simba in dem Musical "Der König der Löwen") pünktlich zum österlichen Familienfest zurück auf die Leinwand - im Kino, in Farbe und aus Fleisch und Blut.

Die Augsburger Puppenkiste

Die Geschichte

Lummerland ist eine kleine Insel mit zwei Bergen, einem Schloss, einer eigenen Bahn namens Emma, nur einer Hand voll Einwohner mitten in der Südsee. Eines Tages soll ein weiterer Bewohner per Post ankommen: Das Waisenkind Jim Knopf. Schnell werden Vorname und Frau Waas (Annette Frier) als Ziehmutter vereinbart. Dazu nimmt sich Lokomotivführer Lukas seiner an, bringt ihm das Handwerk eines Lokomotivführers bei und wird sein engster Freund. Doch König Alfons der Viertel-Vor-Zwölfte (Uwe Ochsenknecht) sieht das Großwerden von Jim Knopf mit Sorge. Schließlich wird er irgendwann bei Frau Waas ausziehen müssen, wird eine eigene Familie haben und damit auch Platz benötigen. Diesen Platz kann ihm die kleine Insel aber nicht bieten. Daher sieht er sich gezwungen, den Bahnbetrieb einzustellen und anstatt Schienen und Bahnhöfe Platz für den bald jungen Mann zu schaffen. Lukas kann es aber nicht übers Herz bringen, seine geliebte Lokomotive Emma in den Ruhestand zu schicken und seinen Job an den Nagel zu hängen. Er will aber auch nicht seinen Freund Jim Knopf der Insel verweisen und somit verlieren. Daher beschließt er, die Insel zu verlassen. Jim Knopf will hingegen seinen Freund nicht allein gehen lassen. Außerdem ahnt er, dass er nicht der wahre Sohn von Frau Waas ist. Er möchte wissen, wo er herkommt. Zusammen begeben sie sich auf die Reise in die weite Welt, erleben Abenteuer, retten eine Prinzessin, finden Freunde und wissen zum Schluss, was und wo Heimat ist: Lummerland.

"Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" startet am 28. März 2018 in den Kinos.

 

Der Film

14 Jahre lang wurde die Realverfilmung von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" geplant. Er gilt als einer der teuersten (25 Millionen Euro) und aufwendigsten deutschsprachigen Filme. Gedreht wurde in Babelsberg, in den Bavaria Filmstudios und sogar in fernen Kapstadt. Herausgekommen ist eine zuckersüße Verfilmung des Klassikers, die sich in den 105 Minuten nicht viel Zeit mit der Entwicklung von Charakteren und besonderer Momente lässt, obwohl an (falscher) anderer Stelle teilweise schon Längen existieren. Schnell werden aber die einzelnen Stationen der Geschichte herunter erzählt, teilweise mit etwas zu viel Klamauk und fehlender Ernsthaftigkeit. Zugestanden, die Geschichte ist zutiefst berührend, zutiefst ernst, zum Teil gar nicht mehr kindgerecht. Ein Kinderfilm muss durchaus nicht den Anspruch haben, in den Tiefen höchstemotionaler, politisch-historischer Erwachsenenthemen zu wühlen. Er darf hier gern oberflächlicher, damit leichter zugänglich und weniger ermahnend sein. Die Kunst ist aber, einen Kinderfilm zu produzieren, der den Kindern ihre Unterhaltung lässt, gleichzeitig aber auch offen ist für einen tiefsinnigeren Austausch mit den Eltern danach. "Die Unendliche Geschichte" vermochte dies in ihrer Verfilmung aus den 80er-Jahren zu schaffen. Die komödiantenhafte Herangehensweise der Verfilmung von "Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer" lässt dies aber schlichtweg nicht zu. Es gibt selten ernsthafte Momente, meist auch durch die Schauspieler bedingt, denen man die Rollen einfach nicht abnehmen mag. Dabei gäbe es eine Reihe von nachdenklichen Schlüsselmomenten: Wenn beispielsweise Jim Knopf die Möglichkeit hat, endlich Antwort darauf zu erhalten, woher er stammt. Er sich dann aber dagegen entscheidet, weil es ihm viel wichtiger erscheint, eine Lösung für sein weiteres Leben auf Lummerland zu erhalten. Oder der Schein-Riese Herr Tur-Tur (Milan Peschel), der vor Einsamkeit zergeht, weil niemand aus Angst vor ihm mit ihm reden mag. Vielleicht sollte die Geschichte aber auch einfach einmal rein von politischen Ansätzen erzählt werden. Schließlich wird wohl schon die Verfilmung selbst für ein paar Kontroversen sorgen.

Weitere Infos zu Film und Crew findet Ihr zum Beispiel in einem interessanten Interview mit Henning Baum in der FAZ (hier).

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